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Schwere Beine leichter machen

<p class="bodytext">Schwere Beine, die nach längerem Stehen anschwellen oder schmerzen, Wadenkrämpfe, Spannungsgefühle oder Kribbeln im Unterschenkel: Dahinter steckt häufig eine Venenschwäche. In frühen Stadien lassen sich die Beschwerden gut mit Bewegung, Kompressionsstrümpfen und pflanzlichen Wirkstoffen aus der Apotheke lindern. Erst bei größeren Problemen ist die Venenchirurg*in gefragt. </p><p class="bodytext"><b>Wenn das Blut nicht fließen kann </b> </p><p class="bodytext">Die chronisch venöse Insuffizienz – auch Venenschwäche oder Venenleiden genannt – ist eine Erkrankung der tiefen Beinvenen. Das sind die Venen, die eingebettet in der Muskulatur liegen und das Blut zum Herzen transportieren. Bei einer Venenschwäche ist dieser Abfluss gestört, Ursache dafür sind meist Schädigungen der sogenannten Venenklappen. </p><p class="bodytext">Venenklappen muss man sich als kleine Ventile im Inneren der Venen vorstellen. Sie sorgen dafür, dass das Blut auf seinem Weg von „unten“ nach „oben“ nicht zurückfließt. Sind sie beschädigt oder abgenutzt, funktioniert dieser Rückfluss-Schutz nicht mehr – das Blut kann in Richtung Fuß absacken, anstatt Richtung Herz abzufließen. Mehr Blut in den unteren Venen heißt, dass sich der Druck dort erhöht. Der ständige Druck auf die Wand des Blutgefäßes führt dazu, dass die Gefäßwände durchlässiger werden und Blutbestandteile und Flüssigkeiten in das umliegende Gewebe austreten. Vor allem bei langem Stehen oder nach einem anstrengenden Tag wird der Unterschenkel dann dick, spannt und schmerzt. </p><p class="bodytext">Fließt das Blut nicht richtig ab, zeigt sich das auch an den Venen an der Körperoberfläche. Sie zeichnen sich verdickt und geschlängelt unter der Haut ab. Im frühen Stadium zeigen sich zunächst „nur“ Besenreiser und Krampfadern. Weil sich auf Dauer aber auch winzige Blutgerinnsel bilden, ist die Durchblutung erschwert. Die Haut wird dann nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Im weiteren Verlauf entstehen durch die Minderversorgung dann typische Hautveränderungen bis hin zu Ekzemen und Geschwüren. </p><p class="bodytext"><b>Warum Venen schlapp machen </b> </p><p class="bodytext">Die Ursachen für die chronisch venöse Insuffizienz sind vielfältig. Schon die normalen altersbedingten Veränderungen führen dazu, dass die Venen und ihre Wände schwächer werden. Manche Menschen haben auch eine genetisch veranlagte Bindegewebsschwäche, weshalb ihre Venenklappen und Venen früher „schlapp“ machen. Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft begünstigt die Entwicklung einer Veneninsuffizienz ebenso wie Übergewicht, Rauchen oder eine unausgewogene Ernährung. </p><p class="bodytext">Besonders schädlich für die Venen ist eine vorwiegend sitzende Lebensweise. Auch langes Stehen im Beruf und Bewegungsmangel setzen den Venen zu. Der Grund ist, dass dann die sogenannte „Muskelpumpe“ nicht arbeitet. Die tiefen Beinvenen sind nämlich von der Beinmuskulatur umgeben. Bei Bewegung ziehen sich die Muskeln wie eine Pumpe in kurzen Abständen zusammen und entspannen sich. Auch die Venen werden dabei zusammengedrückt und das Blut Richtung Herz gepresst. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis:</b> Hinter Spannungsgefühlen, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen stecken nicht immer eine Venenschwäche. Deshalb sollte man bei diesen Beschwerden unbedingt eine Ärzt*in aufsuchen, damit diese z. B. eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, eine Nerven-, Nieren- oder Herzerkrankung ausschließt. </p><p class="bodytext"><b>Venengesunde Lebensweise </b> </p><p class="bodytext">Die Behandlung der Venenschwäche richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden. Sind Füße und Unterschenkel nur gelegentlich abends leicht angeschwollen, hilft manchmal schon eine venengesunde Lebensweise. Das beinhaltet: </p><p class="bodytext"><ul><li>Flache Schuhe tragen, weil hohe Absätze die Arbeit der Muskelpumpe behindern.</li><li>Mehr Bewegung in den Alltag einbauen, z. B. Treppen laufen anstatt die Rolltreppe oder den Aufzug zu benutzen, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Während langer Auto- oder Bahnfahrten spätestens alle zwei Stunden eine Bewegungspause einlegen.</li><li>Öfter mal die Beine hochlagern, um den Rückfluss des Blutes zu erleichtern. Beim Sitzen sollte der Winkel zwischen Körper und Oberschenkel mehr als 90° betragen. Zwischendurch immer mal wieder Zehen und Füße bewegen.</li><li>Regelmäßig kalte Beingüsse, Kaltwaschungen oder Wassertreten durchführen, um die Durchblutung zu fördern.</li><li>Einschnürende Kleidung vermeiden.</li><li>Nicht mit übereinander geschlagenen Beinen sitzen.</li><li>Sport treiben! Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren und Tanzen sind dabei besser geeignet als Kraftsport.</li><li>Warme Wannen- und Sonnenbäder meiden, weil diese Wärme die Gefäße zusätzlich erweitet.</li><li>Gesund ernähren. Alkohol erweitert die Gefäße, Nikotin fördert Thrombosen. Beides ist schlecht für die Venen.</li></ul> </p><p class="bodytext"> <b>Tipp: </b>Besonders hilfreich ist es, spezielle Venengymnastik zu machen. Zehen rhythmisch anheben, auf die Fußspitzen stellen und der Storchengang sind gute Übungen. Es gibt auch anschauliche Angebote im Internet. Sie finden sich unter dem Stichwort „Venengymnastik“ online und auch auf YouTube. </p><p class="bodytext"><b>Kranken Venen von außen Druck machen</b> </p><p class="bodytext"> Oft reichen diese Basismaßnahmen nicht aus, um die Beschwerden zu lindern. Dann ist es Zeit für die Kompressionstherapie. Dabei wird den Venen von außen mit speziellen Strümpfen Druck gemacht. Weil die Strümpfe die Venen zusammenpressen, können die Gefäßwände durch den Staudruck von innen nicht aussacken und das Blut fließt leichter ab. </p><p class="bodytext">Es gibt die Strümpfe in verschiedenen Ausführungen vom Wadenstrumpf bis zur Strumpfhose und in vier verschiedenen Kompressionsklassen. Strumpfart und -länge werden von der Ärzt*in bestimmt und verschrieben. Die Kompressionsklasse richtet sich nach dem klinischen Befund, z. B. wie ausgeprägt die Ödeme (Schwellungen) und die Hautveränderungen sind. </p><p class="bodytext"> Kompressionsstrümpfe sind ausgesprochen wirkungsvoll – allerdings nur, wenn sie konsequent getragen werden. Das heißt: von morgens nach dem Aufstehen bis zum Zubettgehen sowie zu jeder Jahreszeit, also auch, wenn es draußen warm ist. Doch nicht einmal jeder Zweite, der eine Kompressionstherapie benötigt, trägt seine „Gummistrümpfe“. Oft liegt das daran, dass schon das Anziehen problematisch ist. Hier helfen folgende Tipps: </p><p class="bodytext"><ul><li>Das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes muss man sich genau zeigen lassen. Gute Anleitungsvideos gibt es auch im Internet, Stichwort „Kompressionsstrümpfe“.</li><li>Manche Frauen erleichtern sich das Anziehen, indem sie unter dem Strumpf einen Nylonstrumpf tragen.</li><li>Spezielle Textil- oder Gummihandschuhe verbessern den Griff und damit sowohl das Anziehen als auch das Verteilen des speziellen Strumpfgewebes.</li><li>Dehngestelle und -systeme sind ebenfalls eine Hilfe beim Anziehen. Diverse Hersteller bieten diese an. Auch platzsparende Gleithilfen wie Rollmanschetten oder Gleitsocken sind zum Anziehen von Gummistrümpfen entwickelt worden.</li><li>Wenn das Anziehen gar nicht funktioniert, kann die Ärzt*in auch zwei Strümpfe niedrigerer Kompressionsklasse verschreiben, die dann übereinander angezogen werden. </li></ul> </p><p class="bodytext">Vor allem im Sommer ist vielen Betroffenen das Tragen von Kompressionsstrümpfen unangenehm. Auch hier lässt sich abhelfen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Strümpfe mit offener Fußspitze sind bei warmen Temperaturen angenehmer.</li><li>Die im Kompressionsstrumpf verpackten Beine lassen sich gut mit speziellen Kühlsprays aus der Apotheke oder einfach mit kaltem Wasser abkühlen. </li><li>Es gibt auch Kühlgels, die vor dem Anziehen der Strümpfe auf das Bein aufgetragen werden. </li></ul> </p><p class="bodytext"><b>Hinweis: </b>Vorsicht mit normalen fett- und ölhaltigen Pflegeprodukten an Füßen und Beinen. Sie führen nach dem Auftragen oft zum Rutschen der Kompressionsstrümpfe. Zur Pflege der strapazierten Haut sind spezielle Cremes, Lotionen und Schäume in der Apotheke erhältlich. </p><p class="bodytext"><b>Gefäße von innen abdichten? </b> </p><p class="bodytext">Als begleitende Therapie empfehlen Venenexpert*innen auch Medikamente. Die Präparate enthalten meist Flavonoide, Aescin, Rutoside oder Ruscogenine, die z. B. aus rotem Weinlaub, Rosskastaniensamen, Beeren des Mäusedorns oder Blättern des gelben Schnurbaums stammen. Diese Pflanzeninhaltsstoffe sollen Leckagen („kleine Löcher“) der Venen von innen abdichten. Sie verhindern zwar nicht, dass die chronisch venöse Insuffizienz sich weiter verschlechtert. Sie können aber die Beschwerden wie Spannungsgefühl, Ödeme und Schwere in den Beinen bessern.Man braucht dafür allerdings etwas Geduld: Bis die pflanzlichen Mittel ihre Wirkung entfalten, dauert es etwa drei bis fünf Wochen. </p><p class="bodytext">Bei der Therapie mit pflanzlichen Medikamenten ist die Beratung durch die Ärzt*in oder Apotheker*in wichtig. Es sollten nur Präparate eingenommen werden, die behördlich zugelassen und deren Inhaltsstoffe in klinischen Studien geprüft worden sind. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis: </b>Oft werden zur Behandlung schwacher Venen auch Salben mit Extrakten aus Rosskastanie &amp; Co. empfohlen. Als kühlende Gele mögen sie eine gewisse Linderung entfalten. Für eine abdichtende Wirkung auf die Venenwände liegen jedoch keine Daten aus klinischen, zeitgemäßen Studien vor. </p><p class="bodytext"><b>Hier muss die Chirurg*in ran </b> </p><p class="bodytext">In ausgeprägten Fällen muss eine chronische Veneninsuffizienz chirurgisch behandelt werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Allen Eingriffen liegt die Idee zu Grunde, die beschädigten Venen aus dem Blutkreislauf zu entfernen. </p><p class="bodytext">Bei der Verödung spritzt die Ärzt*in ein flüssiges Verödungsmittel oder Schaum in die erweiterte Vene. Dadurch wird eine Entzündung hervorgerufen, und die Venenwände verkleben und verschließen sich. Die Vene wird nicht mehr durchblutet. Auch Hitze verschließt durch Entzündung und Verklebung erweiterte Venen. Sie kommt bei der Laser- und der Radiofrequenztherapie zum Einsatz. Ein weiteres Verfahren ist das Venenstripping. Dabei entfernt die Ärzt*in erweiterte Venen ganz oder teilweise – je nach Befund. </p><p class="bodytext">Es gibt auch venenerhaltende Operationsverfahren. Man kann zum Beispiel eine Kunststoffmanschette so um eine erweiterte Vene legen, dass ihre Klappe wieder schließt. Solche Operationen werden allerdings in Deutschland eher selten durchgeführt. </p><p class="bodytext">Ebenfalls chirurgisch eingreifen muss man, wenn die durch die chronische Insuffizienz entstandenen Hautgeschwüre nicht mehr abheilen. Hier gibt es verschiedene Techniken, die geschädigten Hautpartien zu entfernen und mit einem Stück Haut aus dem Oberschenkel des Patienten wieder abzudecken. </p><p class="bodytext">Quellen: Bruhn C, DAZ 2017, 22: S 32, Schlenger R, DAZ 2019, 12: S 46 </p>

Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

<p class="bodytext">Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit: Über 60 Prozent der Deutschen haben im Alltag damit zu kämpfen. Wer keine Tabletten einnehmen möchte, bekommt die Beschwerden oft mit Schmerzgelen und Wärmepflastern in den Griff. Lesen Sie, wie man diese anwendet und was man sonst noch gegen Rückenschmerzen tun kann. </p><p class="bodytext"><b>Zivilisation nagt am Rücken </b> </p><p class="bodytext">Die moderne Lebensweise tut dem Rücken nicht gut. Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, sitzen zuviel und leiden unter Stress. Übergewicht und Haltungsfehler kommen dazu, manchmal auch falsches Heben oder Tragen. Aber auch Überlastungen durch ungewohnte Kraftanstrengungen können zu Rückenschmerzen führen – z. B., wenn man die Wohnung neu tapeziert oder den gesamten Holzvorrat für ein Jahr hackt. </p><p class="bodytext">In den allermeisten Fällen handelt es sich dann um die sogenannten „unspezifischen Rückenschmerzen“. Das bedeutet, dass sich nicht genau sagen lässt, welche Struktur hinter den Beschwerden steckt. Seltener sind spezifische Rückenschmerzen. Sie entstehen durch eindeutig diagnostizierbare Ursachen wie Knochenbrüche nach Stürzen, Bandscheibenvorfälle, Tumoren, rheumatische Erkrankungen oder Osteoporose. </p><p class="bodytext">Auch Erkrankungen der inneren Organe können sich durch Schmerzen im Rücken bemerkbar machen. Dies ist besonders oft bei Eierstock- oder Nierenentzündungen der Fall. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis:</b> Treten zusätzlich zum Rückenschmerz Lähmungen, Probleme beim Wasserlassen oder Taubheitsgefühle auf, ist unbedingt eine Arztpraxis aufzusuchen. Das Gleiche gilt, wenn Fieber oder Gewichtsverlust dazukommen oder die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen nicht nachgelassen haben. </p><p class="bodytext"><b>Was hilft im akuten Fall? </b> </p><p class="bodytext">Früher wurde bei akutem unspezifischem Rückenschmerz Schonung und Bettruhe empfohlen. Heute hingegen raten Ärzt*innen zu sanften Bewegungen, um den Rücken wieder fit zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise Spazierengehen oder auch Tai-Chi. Manchmal ist das allerdings nur möglich, wenn der akute Schmerz parallel therapiert wird. Hier kommen Wärme und rezeptfreie Schmerzmittel ins Spiel. </p><p class="bodytext">Schmerzhafte Muskelverspannungen lassen sich gut durch Wärme lockern. In Frage kommen viele unterschiedlichen Wärmequellen. Wer möchte, kann ein elektrisches Wärmekissen, eine Heizdecke oder ein aufgewärmtes Körnerkissen verwenden. Auch Wärmebäder eignen sich gut. Besonders praktisch sind jedoch Wärmepflaster oder -salben aus der Apotheke. Sie haben den Vorteil, dass man sie auch während der alltäglichen Verrichtungen tragen kann – und somit mobil bleibt. Ihre Wirkstoffe fördern die Durchblutung, teilweise unterdrücken sie auch die Schmerzimpulse. Bei der Anwendung ist auf Folgendes zu achten: </p><p class="bodytext"><ul><li>Pflaster dürfen nur auf trockene, intakte Haut geklebt werden.</li><li>Nach Berühren des Pflasters unbedingt die Hände gut waschen, damit der Wirkstoff nicht in die Augen oder an die Schleimhäute gerät. Das gilt auch bei Cremes oder Balsam.</li><li>Keine anderen Cremes oder Gele auf die gleiche Hautstelle schmieren, damit die Aufnahme der Wirkstoffe nicht behindert wird.</li><li>Keine zusätzliche Wärme (zum Beispiel Heizkissen) anwenden, weil sonst die Durchblutung zu stark angeregt wird. </li></ul> </p><p class="bodytext">Ein beliebter schmerzlindernder Wirkstoff ist Capsaicin aus dem Cayennepfeffer. Capsaicin nützt doppelt: Zum einen fördert es die Durchblutung, zum anderen übererregt es die Schmerzrezeptoren. Das macht die Schmerzzellen im Rückenmark vorübergehend unempfindlich, was die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an das Gehirn unterdrückt. Capsaicincreme darf dreimal täglich aufgetragen werden und das Pflaster bis zu zwölf Stunden auf der Haut verbleiben. Mögliche Nebenwirkungen sind Quaddeln, Juckreiz oder Bläschen. </p><p class="bodytext">Hautverträglicher als Capsaicin sind Umschläge mit Wärmezellen, die Eisenpulver enthalten. Die wohltuende Wärme entsteht dadurch, dass das Eisenpulver mit Luftsauerstoff oxidiert. Deshalb darf die luftdichte Verpackung auch erst unmittelbar vor dem Aufkleben geöffnet werden. </p><p class="bodytext">Manchen Patient*innen hilft bei Schmerzen auch Beinwellwurzel-Fluidextrakt. Er enthält Allantoin, Schleimpolysaccharide und Gerbstoffe und ist für die Behandlung von Muskelschmerzen zugelassen. Auch ätherische Öle sollen gegen Rückenschmerzen helfen. Expert*innen zufolge ist ein eventueller Effekt jedoch eher auf die einreibende Massage als auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis: </b>Vorsicht bei der Verwendung von Heizdecken und Heizkissen. Um die Brandgefahr zu mindern, sollten diese immer eine Abschaltautomatik besitzen. </p><p class="bodytext"><b>Schmerzmittel zum Schmieren </b> </p><p class="bodytext">Schmerzmittel gibt es nicht nur als Tabletten zum Schlucken, sondern auch als Gele oder Cremes zum Auftragen auf die Haut. Inhaltsstoffe dieser lokalen Schmerzmittel sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), d.h. Wirkstoffe, die schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Ob sich Rückenschmerzen damit „wegschmieren“ lassen, wird kontroverser diskutiert. Denn in bisher durchgeführten, standardisierten Studien konnte die Wirkung von Schmerzgelen oder -cremes noch nicht belegt werden. </p><p class="bodytext">Dennoch berichten viele Rückenschmerzpatient*innen von positiven Erfahrungen mit Schmerzgelen, -cremes oder pflastern. Wer seine unspezifischen Rückenschmerzen also mit lokalen NSAR angehen möchte, sollte die Präparate drei- bis viermal täglich auftragen, Forte-Wirkstoffe aufgrund höherer Dosierung nur zweimal am Tag. Im Zweifel fragt man am besten seine Apotheker*in. </p><p class="bodytext">Wie gut die Wirkstoffe die Hautbarriere überwinden und dort ankommen, wo sie wirken sollen, hängt von der Art der Zubereitung ab. Manchen Präparaten sind Penetrationsförderer beigemischt, die die Aufnahme beschleunigen. Am schnellsten wirken Emulsions- und Mikrogele. Bei Ersteren sind die Wirkstoffe in Öltropfen angereichert, bei Mikrogelen in Mizellen eingeschlossen. Beides beschleunigt den Transport des NSAR durch die Haut und dadurch die Schmerzlinderung. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis: </b>Bei den Schmerzgelen gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Wärmepflastern. Sie dürfen nur auf intakte Haut geschmiert werden und nach dem Auftragen sollte man die Hände waschen, damit kein Wirkstoff in die Augen gerät. </p><p class="bodytext"><b>Bewegung gegen chronische Rückenschmerzen </b> </p><p class="bodytext">An ihre Grenzen kommen Pflaster und Cremes bei Fällen von chronischen Rückenschmerzen. Dann werden sie zwar begleitend eingesetzt – ohne Verhaltensveränderung ist ein längerfristiger Behandlungserfolg aber unwahrscheinlich. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Gut geeignet dafür sind Sportarten wie </p><p class="bodytext"><ul><li>Schwimmen</li><li>Pilates</li><li>Funktionstraining</li><li>Nordic Walking</li><li>Yoga und Tai-Chi. </li></ul> </p><p class="bodytext">Hilfreich ist es auch, Entspannungstechniken zu erlernen. Manche Betroffenen profitieren von der Akupunktur. Abgeraten wird dagegen von Stromtherapien (TENS, Interferenztherapie), Magnetfeldtherapie, Lasern oder Kinesio-Taping – sie alle bringen beim chronischen Rückenschmerz keine Linderung. </p><p class="bodytext"><b>Hinweis:</b> Lassen Sie sich bei jeder Sportart von einem Trainer anleiten, damit Sie die Bewegungen rückenschonend und -stärkend ausführen. Gehen Sie beim Trainieren nicht über Ihre Grenzen. </p><p class="bodytext"><b>Vorbeugen ist besser als heilen </b> </p><p class="bodytext">Wer beruflich im Alltag viel stehen, heben oder tragen muss, profitiert von einer Rückenschule. Dort lernt man, wie man im Alltag eine rückenfreundliche Haltung einnimmt. Diese Tipps helfen dabei: </p><p class="bodytext"><ul><li>Möglichst immer hüftbreit stehen und das Körpergewicht auf beide Füße gleichmäßig verteilen.</li><li>Immer wieder umhergehen und nicht zu lange in einer Position verharren.</li><li>Dynamisch sitzen, d.h. die Sitzposition immer wieder verändern.</li><li>Bei überwiegend sitzender Tätigkeit jede Stunde aufstehen (daran kann man sich z. B. von seiner Smartwatch erinnern lassen!), umhergehen, kleine Körperübungen machen.</li><li>Zum Aufheben schwerer Gegenstände mit geradem Rücken in die Hocke gehen und die Beine leicht nach außen spreizen.</li><li>Immer beide Hände zum Tragen schwerer Lasten benutzen, den Rücken aufrecht und den Gegenstand nah am Körper halten. </li></ul> </p><p class="bodytext">Quelle: Leitlinie Kreuzschmerz; Ines Winterhagen, DAZ 2021; Nr. 28, S. 46</p>

Alterskrankheiten

<p class="bodytext"><b>Alterskrankheiten,</b> die zur Pflegebedürftigkeit führen, entwickeln sich zumeist langsam. Bei aller Besorgnis und allem Leid haben Betroffene und ihre Angehörigen in diesem Fall die Chance, Vorsorgemaßnahmen zu treffen und sich umfassend auf ein verändertes Leben einzustellen. In manchen Fällen wird die Pflegebedürftigkeit aber durch ein plötzliches Ereignis ausgelöst, z. B. einen Schlaganfall oder eine schwere Infektionskrankheit. Dann ist es sowohl für den Pflegebedürftigen als auch für die Angehörigen besonders schwer, sich in der neuen Lebenssituation zurechtzufinden. Unsere Sozialgesetzgebung sieht glücklicherweise eine Reihe von Leistungen und Einrichtungen vor, die alten und kranken Menschen rasch und auf Dauer zur Verfügung stehen. </p><p class="bodytext">Mehr Informationen unter </p><p class="bodytext"><ul><li>Altenpflege, Altenhilfe und Geriatrie</li><li>Pflegeversicherung</li><li>Entlastung für pflegende Angehörige</li><li>Pflegestufen</li></ul></p>

Alten- und Pflegeheime

<p class="bodytext"><b>Altenheime</b> (Seniorenheime, Seniorenstifte, Seniorenwohnanlagen) bieten altersgerechtes Wohnen und die Versorgung mit Mahlzeiten an. Ferner gibt es Kontakt- und Unterhaltungsangebote. Eine Betreuung durch Pflegedienste ist zusätzlich möglich. In Altenheimen wohnen meist ältere Menschen, die in keine Pflegestufe eingestuft sind und somit auch keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. </p><p class="bodytext"><b>Pflegeheime</b> und die <b>Pflegestationen der Altenheime</b> sind in erster Linie Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Nicht das Wohnen, sondern die Versorgung der Pflegebedürftigen steht im Vordergrund. So ist die Pflege rund um die Uhr gesichert. Etwas mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in vollstationären Dauereinrichtungen wohnt in Ein-Bett-Zimmern, die anderen in Zwei-Bett-Zimmern (Pflegestatistik 2003). </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Ob nun Alten- oder Pflegeheim – die Begriffe sind in der Praxis häufig nicht scharf zu trennen. Da die meisten Menschen erst dann ins Altenheim übersiedeln, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, hat das Altenheim heute immer mehr die Aufgabe, auch die Pflege mit abzudecken. Deshalb gibt es immer häufiger Altenheime, denen neben dem betreuten Wohnen auch Pflegestationen angeschlossen sind, sodass Heimbewohner, die pflegebedürftig werden, ohne größeren Aufwand in diesen Bereich umziehen können. </p><p class="bodytext">In der Praxis herrschen große Unterschiede im Betreuungs- und Qualitätsniveau der Heime. Von hotelähnlichen Luxuseinrichtungen mit Hauskonzerten und allem Komfort bis hin zu Heimen mit Mehr-Bett-Zimmern, Pflege auf Mindeststandard und einfacher Verpflegung ist alles zu finden. </p><p class="bodytext">Und gerade bei den Einrichtungen, die auf dem gesetzlichen Mindestniveau arbeiten, d.&nbsp;h. bei denen die Kommunen bei fehlendem Einkommen die Kosten übernehmen müssen, besteht ein fast unlösbarer Zielkonflikt: </p><p class="bodytext"><ul><li>Die Kostenträger verlangen eine ökonomische Pflege und drücken die Kosten von Jahr zu Jahr. Deshalb kommt der Staat seiner Aufsichtspflicht auch eher zögerlich nach. Denn geforderte Verbesserungen bedeuten meistens auch zusätzliche Kosten. </li><li>Die Heimbewohner und ihre Angehörigen verlangen – zu Recht – eine humane und angemessene Pflege. Das erfordert vor allem zahlenmäßig ausreichendes und hinreichend qualifiziertes Fachpersonal. Aber gerade der Personaleinsatz ist der Hauptkostenfaktor eines jeden Heimbetriebs. </li></ul> </p><p class="bodytext">Doch allem Pessimismus zum Trotz gibt es Ansätze, beide Zielanforderungen miteinander zu verbinden. Einer ist z. B. die Einrichtung von Wohngemeinschaften mit Etagenküchen, in denen sich die Heimbewohner gegenseitig bekochen können und eventuell sogar waschen oder hauswirtschaftliche Dienste übernehmen. Ein anderer ist die Integration von freiwilligen Helfern und Angehörigen in die Altenpflege und -betreuung. </p><p class="bodytext">Alternativen zum Altenheim bieten das Modell vom Betreuten Wohnen oder Seniorenwohngemeinschaften.</p>

Alternativen zum Altenheim

<p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Betreutes Wohnen.</b></span> Anfang der 1980er Jahre entwickelten sich Modelle des <b>betreuten Wohnens</b> als Alternative zum Altenheim. Ziel der neuen Angebote war der Erhalt der Selbstständigkeit in einem altersangepassten Umfeld mit zusätzlicher Dienstleistung und Pflege. Kennzeichnend sind kleine, aber voll ausgestattete Wohnungen oder Apartments in einem Wohnkomplex mit Betreuungs- und Serviceleistungen, Gemeinschaftsräumen und zahlreichen Möglichkeiten zu gemeinsamen Aktivitäten. </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift">Wer sich für Angebote des betreuten Wohnens interessiert, sollte bei Vertragsabschluss auf eine Trennung von Grundmiete und Betreuungskosten achten. Dadurch werden Mietpreise vergleichbar, und die Kosten für unnötige Hilfsangebote lassen sich vermeiden. Falls Betreuungspauschalen im Vertrag vorgesehen sind, sollten die enthaltenen Leistungen genau definiert sein. </div> </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Seniorenwohngemeinschaften.</b></span> Seniorenwohngemeinschaften bilden die aktuelle Alternative zum Altenheim. Meistens durch eine private Gemeinschaftsinitiative getragen, zeigen sie, dass heute andere Vorstellungen von einem selbstbestimmten Lebensabend gelten als früher. Inzwischen gibt es außer rund 250 privat gegründeten auch immer mehr von öffentlichen oder gemeinnützigen Trägern organisierte <b>Seniorenwohngemeinschaften.</b> Meist handelt es sich um Hausgemeinschaften für noch nicht Pflegebedürftige, die es alten Menschen ermöglichen, in einer relativ selbstständigen und übersichtlichen Gemeinschaft zu leben. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="infobox">Weiterführende Informationen</p> </p><p class="bodytext"><ul><li><a href="http://www.hilfe-und-pflege-im-alter.de" target="_blank">www.hilfe-und-pflege-im-alter.de</a> – Serviceseite des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA, Köln): Mit zahlreichen Praxistipps und weiterführenden Adressen sowie Links zu Pflegediensten und Selbsthilfegruppen. </li><li><a href="http://www.fgwa.de" target="_blank">www.fgwa.de</a> – Forum Gemeinschaftliches Wohnen e. V., Hannover: Verein, der sich bundesweit für generationsübergreifende Wohnprojekte einsetzt. Mit Beratungsmöglichkeit, Informationen und Regionaladressen. </li><li><a href="http://www.deutsche-seniorenliga.de" target="_blank">www.deutsche-seniorenliga.de</a> – Deutsche Seniorenliga e. V., Bonn: Verein, der die Interessen älterer Menschen vertritt. Mit (aktuellen) praxisnahen Informationen, was man beim Älterwerden und den (oft) dazugehörigen Problemen und Krankheiten bedenken muss. </li><li><a href="http://www.senioren-initiativen.de" target="_blank">www.senioren-initiativen.de</a> – Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e. V., Bonn: Überblick und Kontaktadressen von Senioren-Initiativen. </li><li>Stiftung Warentest (Hrsg.): Leben und Wohnen im Alter. 2006 erschienener Ratgeber, der einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Wohnmodelle im Alter, viele Tipps und Entscheidungshilfen bietet. Empfehlenswert. </li><li>I. Barden et al.: Hauskrankenpflege. Trias, 2006. Ausführlicher Ratgeber zur häuslichen Pflege. Mit praxisnahen Tipps zu häufigen Krankheiten und einfach erklärten Pflegehandgriffen. </li><li>D. Lessing: Das Tagebuch der Jane Somers. Klett-Cotta, 1997. Roman, der in Tagebuchform die Veränderungsprozesse einer Pflegenden schildert. Beeindruckender als viele Sachbücher. </li></ul></p>

Vereinsamung

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><b>Vereinsamung</b><u> (soziale Isolation):</u> Fehlende Sozialkontakte mit der Gefahr ernsthafter psychischer und psychiatrischer Krankheiten bis hin zur Bereitschaft zum Suizid. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe">Unterstützung durch Angehörige </p> </p><p class="bodytext">Dass ein Angehöriger sozial isoliert ist, wird schnell erkannt, ist aber schwer zu überwinden. Wer sich in seine „Höhle“ verkrochen hat, braucht Geduld und Zuwendung durch feste Bezugspersonen, um langsam aus der Isolation herauszufinden. Nicht selten scheuen sich isoliert lebende Menschen, den Kontakt zu anderen zu suchen. Sie fürchten, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein oder wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und was auf sie zukommt. Es genügt meistens nicht, sie zur Kontaktaufnahme nach außen zu ermutigen, sondern sie sollten bei ihren ersten Versuchen, „nach draußen“ zu gehen, begleitet werden. Angebote, aus der Isolation herauszukommen, können sein: </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Gespräche führen </h4> </p><p class="bodytext">Das Gespräch, egal ob von Angesicht zu Angesicht oder über das Telefon, ist die zentrale Möglichkeit, Kontakte anzubieten. Dabei sind gute Ratschläge fehl am Platz. Wichtiger ist es zuzuhören, Verständnis zu zeigen und verlässlich da zu sein, wenn dies gewünscht wird. In diesem Sinn können regelmäßige Gespräche eine wichtige Unterstützung sein. Vereinbaren Sie z. B. zweimal pro Woche fest einzuhaltende Telefontermine, für die Sie eine angemessene Zeit einplanen. </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Aktivitäten fördern </h4> </p><p class="bodytext">Volkshochschulen, Kirchengemeinden, Selbsthilfegruppen oder Nachbarschaftshilfen bieten immer wieder Kurse speziell für ältere Menschen an, über organisierte Theaterbesuche bis zur samstäglichen Ausflugsgruppe, dem Kochkurs oder der Schreibwerkstatt. Adressen finden Sie in den Tageszeitungen, über die Krankenkasse oder auf diesbezüglichen Internetseiten. Viele Pflegeheime freuen sich aber auch über Gäste aus der Umgebung und organisieren Gruppen, in denen sich Menschen zum gemeinsamen Mittagessen, zum Basteln oder zu Gesellschaftsspielen treffen. </p><p class="bodytext">In vielen Schwimmbädern hat sich <b>Wassergymnastik</b><u> (Aquafitness)</u> zu einer praktikablen Sportart für ältere Menschen entwickelt. Bewegung im Wasser schont die Gelenke und Bänder und ist auch für übergewichtige Menschen empfehlenswert. </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Haustierpatenschaften </h4> </p><p class="bodytext">Es ist immer wieder bemerkenswert, wie Tiere Menschen (wieder) zum Lächeln und zur Kontaktaufnahme bringen. Viele Altenpflegeeinrichtungen versuchen, für Menschen, die keine Außenkontakte haben, Tierbesuchsdienste zu organisieren. Auch Hausbesuchsdienste mit Tieren gibt es bereits. </p><p class="bodytext">So besuchen seit 1994 Berliner Hundebesitzer ehrenamtlich Menschen in Senioreneinrichtungen, zu Hause und in Krankenhäusern. Möglich macht dies der Verein Leben mit Tieren e. V. (<a href="http://www.lebenmittieren.de" target="_blank">www.lebenmittieren.de</a>), der mit einigen Pflegeeinrichtungen mittlerweile sogar Festverträge für wöchentliche Hundebesuchsdienste abgeschlossen hat. Der Verein unterhält auch vier Mensch-Tier-Begegnungsstätten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in denen Esel, Kaninchen, Schafe, Ziegen und Gänse und auch ein schwarzes Minischwein namens Maxi gehalten werden. </p><p class="bodytext">Mit Kaninchen ist ein Mitglied des Vereins regelmäßig im Wilhelmsdorfer Seniorenstift zur Tierstunde mit einer Gruppe Demenzkranker anzutreffen. Auf dem Schoß hat dann jeder einen anschmiegsamen kleinen Hasen. Behutsam beginnen die Bewohner ihr Tier zu streicheln, die Tiere wecken mit ihrem weichen Fell Erinnerungen an schöne Gefühle, Wärme und körperliche Nähe. Vorsichtig beginnen manche Bewohner mit ihrem Schoßtier zu reden. „Mein Muckelchen“, begrüßt eine 90-jährige Frau ihr Kaninchen Bruno und wiegt es anmutig im Arm. Das Tier sitzt wöchentlich auf ihrem Schoß, doch die demenzkranke Frau lebt nur in dieser Stunde auf, den Namen ihres Hasen kann sie sich nicht mehr merken. Die Bewohner staunen, reden und lachen miteinander über ihre geduldigen Tiere, die ihnen so viel Wärme bringen und weder Furcht vor alten Menschen noch vor deren Einschränkungen kennen. Auch die Kaninchen genießen das Streicheln und fühlen sich wohl; ihnen ist es egal, wie alt, krank oder eingeschränkt die Menschen sind. Es ist ein Geben und Nehmen von Wärme, auch wenn die Hände oft schon zittrig sind. </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Seniorenstudium </h4> </p><p class="bodytext">Neugier und Wissensdurst nehmen im Alter keineswegs ab. Im Gegenteil, viele Menschen finden erst nach der Pensionierung Zeit für Dinge, die sie schon immer interessiert haben. Die meisten Universitäten in Deutschland bieten mittlerweile das so genannte Seniorenstudium an. Interessierte können auch als Gasthörer Vorlesungen besuchen. Nach Ermittlungen der Augsburger Universität sind etwa die Hälfte der älteren Studierenden gasthörende Senioren. Vorträge mit Gesprächsrunden zu Themen wie Testament, Wohnen im Alter oder Themen der Pflegeversicherung finden ebenso Interesse bei vielen älteren Menschen. </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Hilfsmittel </h4> </p><p class="bodytext">Isolation lässt sich oftmals nur durch eine sehr behutsame Unterstützung überwinden; dazu kann es gehören, bei körperlichen Einschränkungen den Einsatz von Hilfsmitteln in Erwägung zu ziehen. Nicht selten ist Rückzugsverhalten bei älteren Menschen eigentlich auf zunehmenden Hörverlust zurückzuführen, der jedoch von Betroffenen verschwiegen und überspielt wird. Damit jedoch Kontaktangebote nach außen überhaupt genutzt werden können, sollten „Helfer“ beobachten, prüfen und beraten, ob Einschränkungen durch den Einsatz von Hilfsmitteln gebessert werden können. Es kann auch nützlich sein zu testen, ob Brille, Hörgerät und Telefon noch funktionstüchtig und zweckmäßig sind, oder ob neue Hilfsmittel angeschafft werden müssen. Auch an Hilfsmittel zur Bewegung ist zu denken. Außerdem gibt es in Sanitätshäusern eine Fülle von Hilfsmitteln, die das Leben erleichtern können, z. B. Halterungen zum Nahrungszubereiten, Spielkartenhalter, Schreibhilfen oder auch Strickhilfen. </p><p class="bodytext"><h4 class="bodytext">Fernsehen, Radio und Internet </h4> </p><p class="bodytext">Ausgiebiger Medienkonsum fördert zwar die Bewegungsarmut, alte wie neue Medien sind andererseits ein „Segen“, weil sie die Welt ins Wohnzimmer bringen. Gerade für bewegungseingeschränkte und bettlägerige Menschen bieten Fernsehen und Radio Unterhaltung, Ablenkung und auch Bildungsmöglichkeiten. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke">Die Tageszeitung</span> leitet für viele das Vormittagsritual ein und bietet mit aktuellen Informationen stets neuen Gesprächsstoff. Oft kann eine Tageszeitung zusammen mit anderen Hausbewohnern abonniert werden. Das spart nicht nur Geld; es ergibt sich damit auch ein lockerer Kontakt zu anderen Menschen. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke">Computerkurse und Internetchats</span> werden zunehmend auch für ältere Menschen interessant und als Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen Menschen genutzt. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="infobox">Weiterführende Informationen</p> </p><p class="bodytext"><ul><li><span style="font-size: 9.0pt; font-family: Verdana , sans-serif; "><a href="https://www.bagso.de/themen/einsamkeit/" target="_blank">BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.</a></span></li><li>R. Mamerow: Projekte mit alten Menschen. Urban &amp; Fischer in Elsevier, 2003. Lesenswerte Berichte über ungewöhnliche, aber nachahmenswerte Projekte für Senioren.</li></ul></p>

Kontraktur (Gelenkversteifung)

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><b>Kontrakturen:</b> Dauerhafte Gelenkversteifung infolge verkürzter Muskeln, Sehnen und Bänder, geschrumpfter Gelenkkapseln oder Verwachsungen an den Gelenkflächen. Funktion und Bewegung des Gelenks sind dabei irreversibel eingeschränkt. Gefährdet sind besonders (alte) Menschen durch lange Bettlägerigkeit oder unsachgemäße Lagerung, zwanghafte Schonhaltung bei Schmerzen, rheumatische Erkrankungen oder Nervenlähmungen. </p><p class="bodytext"><h4><b>Leitbeschwerden </b></h4> </p><p class="bodytext"><ul><li>Unfähigkeit zur Bewegung des kontrahierten Körperteils </li><li>Immobilität </li><li>Schmerzen </li></ul> </p><p class="bodytext"><h4><b>Die Erkrankung </b></h4> </p><p class="bodytext">Kontrakturen entstehen, wenn Gelenke über längere Zeit in einer bestimmten Stellung ruhig gestellt (fixiert) werden. Sie treten meist an mehreren Gelenken gleichzeitig auf. Das Gelenk „ruht“ in einer charakteristischen Zwangshaltung, die der Betroffene selbst nicht aufheben kann. Aber auch passiv kann das Gelenk meist nur unter großem Kraftaufwand und unter Schmerzen bewegt werden. </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift">Bei Kontrakturen handelt es sich immer um eine bleibende Bewegungseinschränkung, einmal eingetretene Fixierungen sind meist nur geringgradig umkehrbar. </div> </p><p class="bodytext">Kontrakturen bilden sich vorwiegend bei Erkrankungen, die mit akuten Lähmungen einhergehen, z. B. durch einen Schlaganfall oder bei langer Bettlägerigkeit und falscher Lagerung, aber auch bei Schmerzen, die zu Schon- und Fehlhaltungen führen oder bei großen Narben, die die Haut schrumpfen lassen und so die Gelenkbeweglichkeit einschränken. </p><p class="bodytext">Ist das Gelenk in seiner Beugestellung fixiert, spricht man von einer Beugekontraktur (Flexionskontraktur), von der typischerweise Finger und Zehen betroffen sind. Der <b>Spitzfuß&nbsp;</b><b><b></b></b><i>(Pferdefuß)</i> ist die häufigste Beugekontraktur bei dauerhaft bettlägerigen Menschen. Er wird oft (unbemerkt) dadurch verursacht, dass die Bettdecke auf den Fuß drückt. Dabei versteift sich das obere Sprunggelenk und die Achillessehne verkürzt sich. Dadurch ist normales Gehen unmöglich. Die Betroffenen sind nicht mehr fähig, den Fuß abzurollen und können, wenn überhaupt, allenfalls auf Zehenspitzen gehen. </p><p class="bodytext">Ist ein Gelenk in der Streckstellung fixiert, spricht man von einer Streckkontraktur. Sie ist seltener als die Beugekontraktur. Geläufigstes Beispiel hierfür ist der <b>Hallux valgus,</b> bei dem die großen Zehen seitlich nach außen hervorstehen. Begünstigt wird diese Fehlstellung vor allem durch das jahrelange Tragen zu enger geschlossener Schuhe. </p><p class="bodytext"><p class="das_macht_arzt"><b>Das macht der Arzt</b></p> </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Therapie des Spitzfußes.</b></span> Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt, trotzdem sollte man nichts unversucht lassen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Die Krankengymnastik kann durch aktive und passive Mobilisation versuchen, die verkürzte Unterschenkelmuskulatur zu dehnen und den Fuß auf diese Weise in seine Normalposition zurückzubringen (manuelle Redression).</li><li>Ein- oder beidseitige Absatzerhöhungen erleichtern häufig das Gehen. </li><li>Reicht die Krankengymnastik nicht aus, um die Spitzfußstellung zu korrigieren, empfehlen viele Ärzte Unterschenkelstehgipse, die den Fuß über einen längeren Zeitraum in der Normalposition stabilisieren. </li></ul> </p><p class="bodytext"><p class="vorsorge"><b>Vorsorge </b></p> </p><p class="bodytext">Die Spitzfußprophylaxe ist vor allem bei Schlaganfallpatienten von allergrößter Bedeutung. Die Anwendung der Maßnahmen erfordert allerdings viel Fachwissen. </p><p class="bodytext">Nach der Krankenhausentlassung muss bei weiter bestehenden Lähmungsbeschwerden die Spitzfußprophylaxe fortgesetzt werden. Hier können Sie als Angehöriger sehr gut helfen. Lassen Sie sich ausführlich vom betreuenden Krankengymnasten die notwendigen Übungen und Verhaltensregeln erklären. </p>

Mangelernährung

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><b>Mangelernährung:</b> Unter- oder Fehlernährung, bei der die bedarfsgerechte Energie- und Nährstoffzufuhr nicht (mehr) gewährleistet ist. Im Extremfall kommt es zur körperlichen Auszehrung (Kachexie) und zum Kräfteverfall des Betroffenen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 1,5 Millionen der über 60-Jährigen unter chronischer Mangelernährung leiden. </p><p class="bodytext"><h4><b>Leitbeschwerden </b></h4> </p><p class="bodytext"><ul><li>Einseitige Essgewohnheiten (z.&nbsp;B. nur noch Tütensuppen oder Toastbrot) </li><li>Appetitlosigkeit (Auslassen oder Ablehnen von Mahlzeiten) </li><li>Gewichtsabnahme </li><li>Eingefallenes Gesicht und knochige Hände </li><li>Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Erschöpfung </li><li>Infektanfälligkeit (Schwächung des Immunsystems) </li><li>Brüchige und stark gerillte Fingernägel (Hinweis auf Eisen- oder Vitaminmangel) </li><li>Weißgetüpfelte Fingernägel (Hinweis auf Kalziummangel). </li></ul> </p><p class="bodytext"><h4><b>Die Erkrankung</b> </h4> </p><p class="bodytext">Fehl- und Mangelernährung sind zu einer der häufigsten, aber am wenigsten beachteten Krankheiten im Alter geworden. Laut einer Ernährungsstudie waren rund 60 % der über 75-jährigen Patienten bei Aufnahme in ein Krankenhaus unterernährt. Da die Übergänge von ungesundem Essverhalten zur Mangelernährung meist schleichend sind, wird die Krankheit von den Betroffenen, den Angehörigen oder dem Pflegepersonal oft nicht rechtzeitig wahrgenommen. Die quantitative Mangelernährung, bei der insgesamt zu wenig gegessen wird, macht sich nach einiger Zeit durch Gewichtsabnahme bemerkbar. Bei der qualitativen Mangelernährung handelt es sich meist um eine zu einseitige Ernährung, die nicht zwangsläufig mit Gewichtsverlust einhergeht. Vielmehr wird aufgrund der unausgewogenen Nahrungszusammensetzung der Bedarf an bestimmten Nährstoffen nicht gedeckt. </p><p class="bodytext">Es gibt viele Gründe, die dazu beitragen, dass ältere Mensche über Monate oder Jahre hinweg zu wenig nährstoffreiche Nahrung zu sich nehmen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Durch die Abnahme der Geschmacksknospen auf der Zunge verändert sich im Alter das Geschmacksempfinden. Das kann z.&nbsp;B. dazu führen, dass alte Menschen die Geschmacksrichtung „süß“ besonders gut wahrnehmen und dementsprechend nur Süßes zu sich nehmen (wollen). </li><li>Durch das veränderte Beiß- und Kauvermögen wird das Essen anstrengender. In der Folge stehen gut schluckbare Lebensmittel wie Milchbrei, Fertigsuppen, Pudding oder Weißbrot ganz oben auf dem Speisezettel. </li><li>Fehlende Sozialstruktur: Viele alte Menschen leben allein und haben häufig kein Interesse, für sich selbst einzukaufen und zu kochen. </li><li>Vergesslichkeit: Viele alte Menschen haben keine feste Tagesstruktur und vergessen einfach, regelmäßig Nahrung zu sich zu nehmen. </li><li>Essensvorlieben und -verhaltensweisen ändern sich nicht mehr im Alter. Das wird vor allem im Heim zum Problem. Nicht selten reagiert der Betroffene mit Nahrungsverweigerung. </li><li>Verwitwete haben nach dem Tod ihres Partners Probleme, nur noch für einen zu kochen (Frauen) bzw. für sich selbst zu sorgen (Männer). </li></ul> </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><b>Unterstützung durch Angehörige </b></p> </p><p class="bodytext">Einen Angehörigen vor Mangelernährung zu bewahren, erfordert Fingerspitzengefühl. Es gibt keine Standardrezepte, wann im Einzelfall kurzfristig interveniert und wann besser gewartet werden soll. Deshalb sind die folgenden Hinweise in der Praxis auch nicht direkt umsetzbar, wohl aber umfassen sie die Punkte, an die es zu denken gilt: </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Appetitlosigkeit.</b></span> Gemeinsam schmeckt es besser. Menschen, die allein essen müssen, verlieren schnell den Appetit. Der Genuss am Essen steigt, wenn Mahlzeiten gemeinsam vorbereitet und eingenommen werden. </p><p class="bodytext">Wünsche erfragen und Bedürfnisse berücksichtigen. Jeder Mensch hat nicht nur Lieblingsspeisen und -getränke, sondern auch jahrelang „erprobte“ Essgewohnheiten und Abneigungen. Oft kann es mit ein wenig Geduld gelingen, durch Lieblingsspeisen die Lust am Essen wieder zu aktivieren. </p><p class="bodytext">Bewegen! Appetitlosigkeit ist oft auf Bewegungsmangel zurückzuführen. Durch körperliche Aktivität werden Stoffwechsel und Verdauung angeregt. Auch bei älteren Menschen, die sich nicht mehr selbstständig bewegen können oder einfach viel Zeit in ihrer Wohnung verbringen, wirkt ein tägliches Mindestmaß an körperlicher Aktivität manchmal Wunder. </p><p class="bodytext">Auch säuerliche Speisen oder Säfte und Zitrusfrüchte regen den Appetit an. Grundsätzlich gilt: Lieber fünf bis sechs kleine Mahlzeiten einnehmen als drei große. Üppige Mahlzeiten belasten unnötig die Verdauungsorgane und somit das Herz-Kreislauf-System. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Kau- und Schluckbeschwerden.</b></span> Kauprobleme sind häufig darauf zurückzuführen, dass die Zahnprothese nicht mehr fest sitzt, weil der Kiefer im Alter schrumpft. Der Zahnarzt kann hier helfen. Kauprobleme sollten kein Grund sein für ausschließlich weiche oder breiige Nahrung. Oft reicht es, z.&nbsp;B. harte Brotrinde zu entfernen, statt Toastbrot zu essen. Um das Kauen zu erleichtern, kann die Nahrung auch zerkleinert werden, ein geschälter und klein geschnittener Apfel z.&nbsp;B. schmeckt auch alten Menschen gut und enthält viel wichtiges Vitamin C. </p><p class="bodytext">Menschen mit Schluckbeschwerden müssen beim Essen aufrecht sitzen. Um sich nicht zu verschlucken, sollte man erst trinken, wenn der Mund leer von Essensresten ist. Auf (zu) feste Nahrung sollte verzichtet werden, stattdessen können pürierte Speisen und Getränke mit Dickungsmitteln (z.&nbsp;B. Johannisbrotkernmehl) an die Bedürfnisse des Kranken angepasst und löffelweise gegeben werden. Gesund und nährstoffreich sind z.&nbsp;B. auch Kefir, Buttermilch, frisch gepresste Säfte (Obst und Gemüse), mit Joghurt pürierte Früchte oder Cremesuppen. Aber auch in Apotheken erhältliche Trink- und Zusatznahrung (z.&nbsp;B. <span class="handelsname">Biosorb®</span>, <span class="handelsname">Clinutren 1.5®</span>) kann bei Gefahr einer Mangelernährung durch Schluck- und Kaubeschwerden helfen. </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift">Bei Menschen mit extremen Schluckstörungen besteht die Gefahr, dass sie sich z.&nbsp;B. bei zu schneller Nahrungszufuhr lebensbedrohlich verschlucken und ersticken. Die Ursachen für Schluckstörungen sollten auf jeden Fall medizinisch geklärt werden. Logopäden bieten ein Schluck- und Kautraining an. </div> </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Nährstoffmangel.</b></span> Bei Übergewicht sollte die Ernährung so schnell wie möglich auf nährstoffreiche Lebensmittel umgestellt, kohlenhydrat- und fettreiche Nahrung hingegen vermieden werden. Nährstoffreich ist eine ausgewogene Mischkost mit reichlich Getreideprodukten, Kartoffeln, Obst und Gemüse, Milchprodukten, Geflügel und Fisch. Auf übermäßigen Genuss von Fleisch und Wurst, Eiern, süßen und fettreichen Lebensmitteln (Sahnetorten) sollte man verzichten. </p><p class="bodytext">Manche Experten empfehlen älteren Menschen, <i>generell</i> auf fettarme Nahrungsmittel auszuweichen, doch ist die Low-Fat-Strategie inzwischen umstritten. Deshalb können ältere Menschen essen, was ihnen schmeckt, und wenn es der Sahnequark auf dem Brötchen und die Obsttorte am Wochenende ist. Aber die Qualität und die Ausgewogenheit der Lebensmittel sollte im Mittelpunkt stehen. </p><p class="bodytext">Ist der Betroffene untergewichtig, benötigt er nährstoff- <i>und</i> energiereiche Nahrung. Wenn das mit normaler Ernährung nicht ausreichend möglich ist, sollte der Patient unter ärztlicher Aufsicht energie- oder eiweißreiche Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Der Energiegehalt der Nahrung lässt sich aber auch mit Hilfe von Butterflocken, z.&nbsp;B. in der Milchsuppe oder im Pudding, erhöhen; auch Sahnespeisen oder Hühnerbrühe sind gute Energielieferanten. Darüber hinaus bieten Apotheken geschmacksneutrale Pulver zur Anreicherung von Speisen und Getränken an (z.&nbsp;B. <span class="handelsname">Clinutren Additions®</span>). Meistens genügt die Einnahme dieser Mittel über wenige Wochen, bis sich das Gewicht des Betroffenen stabilisiert hat. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Einkaufsprobleme.</b></span> Erkundigen Sie sich nach offenen Mittagstischen von Sozialeinrichtungen oder Pflegeheimen in Ihrer Nähe. Für Menschen, die sich nicht mehr selbstständig aus der Wohnung bewegen können, bietet sich „Essen auf Rädern“ an. Die meisten großen Supermärkte verfügen heutzutage über einen Einkaufsdienst, der Lebensmittel nach Hause liefert. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Spezialbecher oder -bestecke,</b></span> die es im Sanitätshaus gibt, können die Zubereitung und Aufnahme von Nahrung und Getränken bei einigen Erkrankungen oder Behinderungen erleichtern, z.&nbsp;B. bei der Parkinson-Krankheit. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Künstliche Ernährung.</b></span> Wenn die selbstständige Ernährung nicht mehr möglich ist, wird der Arzt eine künstliche Ernährung in Betracht ziehen, z.&nbsp;B. durch eine PEG-Sonde. Mit entsprechender Unterstützung durch Pflegekräfte kann diese Ernährung auch zu Hause durchgeführt werden. Vor- und Nachteile sind sorgfältig gegeneinander abzuwägen. </p><p class="bodytext"><p class="vorsorge"><b>Vorsorge</b></p> </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Nährstoffbedarf.</b></span> Es ist ein Irrglaube, dass der Körper im Alter weniger Nahrung benötigt. Nur der Energieumsatz sinkt, das heißt, der Körper braucht weniger Fette und Kohlenhydrate, aus denen er Energie gewinnt. So sinkt der Kalorienbedarf im Alter um rund 500 Kalorien (kcal) oder etwa eine halbe Tafel Schokolade. 1 800 kcal für Frauen und 2 300 kcal für Männer empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Senioren. Der Bedarf an Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen hingegen bleibt unverändert und steigt bei chronischen Krankheiten sogar an. Daher sollten alte Menschen vor allem Nahrungsmittel mit hoher Nährstoff- und geringer Kaloriendichte wie z.&nbsp;B. magere Fleisch- und Käsesorten, Quark, Gemüse und Vollkornprodukte essen. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="infobox">Weiterführende Informationen</p> </p><p class="bodytext"><ul><li><a href="http://www.dsl-mangelernaehrung.de" target="_blank">www.dsl-mangelernaehrung.de</a> – Deutsche Seniorenliga e. V., Bonn: Übersichtlich gestaltete Internetseite mit vielen Praxistipps und Broschüren zum Herunterladen. </li><li><a href="http://www.dgem.de" target="_blank">www.dgem.de</a> – Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V., Berlin: Fachärztliche Leitlinien zur (enteralen) Ernährung und zum Energiebedarf im Alter. Auch zum Herunterladen als PDF. </li><li>M. M. Schreier; S. Bartholomeyczik.: Mangelernährung bei alten und pflegebedürftigen Menschen. Schlütersche, 2004. Aufgegriffen werden psychologische Zusammenhänge und Risikofaktoren, die eine Mangelernährung birgt. Hilfreich für Pflegende. </li></ul></p>

Mundinfektionen und Racheninfektionen

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Ohne spülenden Speichel ist die Mundhöhle ein idealer Nährboden für Bakterien und andere Mikroorganismen. Wenn hinzukommt, dass die Patienten selbst nicht (mehr) in der Lage sind, Zähne, Zahnfleisch und Schleimhäute regelmäßig zu reinigen und zu spülen, kommt es sehr schnell zu <b>Pilzinfektionen</b> oder <b>Entzündungen in Mund und Rachen.</b> </p><p class="bodytext">Besonders gefährdet sind Menschen, die keine Nahrung zu sich nehmen dürfen oder können und in ihrer Immunabwehr geschwächt sind. Aber auch Menschen mit Vollprothesen werden häufig von Mundentzündungen geplagt. </p><p class="bodytext"><h4><b>Häufige Leitbeschwerden </b></h4> </p><p class="bodytext"> Differenzierte Übersicht </p><p class="bodytext"><ul><li>Trockene Schleimhäute </li><li>Weißlich-gelb belegte Zunge </li><li>Mundgeruch </li><li>Schluckbeschwerden </li><li>Gerötete und blutende Stellen im Mundbereich </li></ul> </p><p class="bodytext"><h4><b>Die Erkrankungen </b></h4> </p><p class="bodytext">Häufig treten Pilzinfektionen der Mundhöhle (Mundsoor) oder Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) auf. </p><p class="bodytext">Dringen die Erreger bis zur Ohrspeicheldrüse vor, entzündet sich auch diese (Parotitis). Fieber und durch das Anschwellen bedingte Schluckbeschwerden sind ein deutliches Zeichen. Nicht selten sind pflegebedürftige Menschen auch von kleinen Einrissen an den Mundwinkeln betroffen, die am Übergang von Haut zu Schleimhaut auftreten. Diese Rhagaden sind schmerzhaft und können das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Mundwinkelrhagaden treten gehäuft in der kalten Jahreszeit auf. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Allergie oder Hauterkrankung, zum Beispiel Schuppenflechte oder Neurodermitis, sowie gestörter Wundheilung, zum Beispiel bei Diabetes. Reißen die Mundwinkel immer wieder ein, kann dies auf eine Leberzirrhose, Eisenmangel, Vitamin-B-Mangel oder eine Überversorgung mit Vitamin A hinweisen. Auch eine schlecht sitzende Prothese begünstigt das Entstehen von Rhagaden. </p><p class="bodytext">Bei hartnäckigen Entzündungen schließt der Arzt einen Pilzbefall oder eine bakterielle Infektion aus. Bei nachgewiesenem Pilzbefall sind Nystatin-haltige Salben das Mittel der Wahl. Eine bakterielle Infektion wird mit Antibiotikasalben bekämpft. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><b>Selbsthilfe </b></p> </p><p class="bodytext">Borkige und angetrocknete Beläge auf Zunge und Schleimhaut lassen sich leichter entfernen, nachdem sie zehn Minuten vorher vorsichtig aufgeweicht wurden. In hartnäckigen Fällen hilft auch ein wenig Sahne oder Butter, die mit dem Finger aufgebracht werden. Auch wenn Schleimhäute, Zunge oder Lippen entzündet, gerötet oder rissig sind, ist mit fettenden Substanzen Linderung möglich. </p><p class="bodytext">Das Trockentupfen der betroffenen Stelle ist die erste Maßnahme bei Mundwinkelrhagaden. Befeuchten mit Speichel oder Ablecken mit der Zunge ist ungünstig, da dadurch die Haut aufweicht und sie noch leichter einreißt. Fetthaltige Cremes wie Zinkpaste oder Vaseline unterstützen die Heilung. Auch Pflegestifte für trockene Lippen mit Melisse oder Dexpanthenol sind eine Option. </p><p class="bodytext"><h4>Mundpflege bei Prothesenträgern </h4> </p><p class="bodytext">Zahnärzte raten, die Prothese nach gründlicher abendlicher Reinigung auch während der Nacht zu tragen, um Veränderungen des Kiefers und des Zahnfleischs zu vermeiden. Beim Reinigen wird die Prothese möglichst unter fließendem Wasser mit der Zahnbürste geputzt und eventuell in Prothesenreinigungsmittel gelegt. Vor dem Einsetzen in den Mund wird die Prothese mit klarem Wasser gründlich abgespült. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="vorsorge"><b>Vorsorge</b></p> </p><p class="bodytext">Regelmäßiges – vorsichtiges – Zähneputzen und Mundspülen feuchten die Mundhöhle an und reinigen sie. Drogerien und Apotheken bieten zum Mundspülen eine Fülle von – häufig allerdings alkoholhaltigen – Lösungen an. Eine preiswerte Alternative sind abgekühlte Tees, die gleichzeitig die Speichelproduktion anregen, wenn sie säuerlich sind, wie z. B. Früchtetee oder Wasser mit einigen Spritzern Zitrone. Bei Entzündungen im Mund ist Myrrhentinktur, Kamillen- oder Salbeitee zu empfehlen. </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift">Mundspülungen sind nur möglich, wenn der Patient bei Bewusstsein ist und sicher ist, dass er sich dabei nicht verschluckt. Der Betroffene muss verstehen, was getan und von ihm erwartet wird. </div> </p><p class="bodytext">Kann der Patient den Mund nicht selbst spülen, weil er z. B. Schluckbeschwerden hat oder sein Bewusstsein gestört ist, sorgt regelmäßiges Auswischen der Mundhöhle für ein feuchtes und sauberes Klima im Mund. Dabei wird der Patient aufgesetzt. Nach Inspektion der Mundhöhle (gegebenenfalls mit einer Taschenlampe) wischt man die Mundhöhle mit einer Mundspüllösung aus. Dabei werden die Beläge vorsichtig abgelöst und entfernt. Sehr hilfreich sind dabei spezielle feststellbare Pinzetten (z. B. <b>Pean-Klemmen</b>). In der Pinzette wird der Kugeltupfer befestigt. Anschließend wird der Tupfer in die Mundspüllösung getaucht. Die Mundhöhle wird mit dem feuchten, aber nicht tropfenden Tupfer vorsichtig ausgewischt, und so wird auch die Zunge gereinigt. </p>

Stuhlinkontinenz

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><b>Stuhlinkontinenz</b> (Darminkontinenz, anorektale Inkontinenz, Incontinentia alvi): Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten. Die Stuhlinkontinenz tritt häufig im fortgeschrittenen Stadium von Demenz auf und ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden eine große Belastung. </p><p class="bodytext"><h4><b>Die Erkrankung</b> </h4> </p><p class="bodytext">Normalerweise verschließt ein kompliziertes Schließmuskelsystem den Darmausgang. Zahlreiche Faktoren können dieses komplexe Zusammenspiel der Muskeln jedoch stören: </p><p class="bodytext"><ul><li> Neurologische Störungen wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose</li><li>Darmverletzungen und -tumoren (z. B. Mastdarmkrebs) </li><li>Entzündliche Prozesse in der Afterregion wie Fisteln bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Hämorrhoiden </li><li>Manchmal kann auch eine chronische Verstopfung durch anfallsweisen, nicht beherrschbaren Stuhldrang zur Verdachtsdiagnose Stuhlinkontinenz Anlass geben. </li></ul> </p><p class="bodytext"><p class="das_macht_arzt"><b>Das macht der Arzt </b></p> </p><p class="bodytext">Die Diagnostik ergibt sich aus Art und Häufigkeit der Inkontinenzepisoden. Eine gezielte Therapie der Stuhlinkontinenz ist im hohen Lebensalter leider nur selten möglich. Bei einer chronischen Darmentzündung werden z. B. Arzneimittel verabreicht, Tumoren werden operativ entfernt. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><b>Unterstützung durch Angehörige </b></p> </p><p class="bodytext">Zu den unterstützenden Pflegemaßnahmen gehört vor allem das <b>Darmtraining:</b> Der Betroffene geht täglich zu einem festgelegten Zeitpunkt (z. B. nach dem Frühstück oder Mittagessen) auf die Toilette, auch wenn er keinen Stuhldrang spürt. Auf diese Weise gewöhnt sich der Darm daran, sich zu einem festgelegten Zeitpunkt zu entleeren. Um das Zurückhalten des Stuhls zu üben, hilft es, den Schließmuskel täglich mehrmals willkürlich zusammenzukneifen und den Beckenboden zu trainieren. </p><p class="bodytext">Nach jeder Darmentleerung muss die Analregion des Betroffenen gründlich mit Wasser (oder Babyöl) gereinigt und gut abgetrocknet werden. Um Entzündungen vorzubeugen, tragen Sie danach Wund- und Heilpasten auf (z. B. <span class="handelsname">Kamillosan®</span>, <span class="handelsname">Multilind®</span>). Desinfizieren Sie beschmutzte Gegenstände nach dem Reinigen, z. B. mit <span class="handelsname">Sagrotan®-</span>Spray oder Tüchern. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Hilfsmittel.</b></span><b> Fäkalkollektoren</b> werden am Anus angeklebt und fangen so den austretenden Stuhl in einem Beutel auf. Der Fäkalkollektor ist zweckmäßig, wenn der Stuhl sehr flüssig ist und kontinuierlich ausgeschieden wird. So wird die Haut geschützt, und die Pflege wird vereinfacht. Fäkalkollektoren eignen sich jedoch nur kurzzeitig bei komplett bettlägerigen Kranken, aber nicht, wenn sie teilmobil oder mobil sind. </p><p class="bodytext"><b>Analtampons</b> sind aus weichem Schaumstoff und werden direkt in den Anus eingeführt. Sie verhindern, dass Stuhl austreten kann. Verspürt der Betroffene Stuhldrang, kann er den Tampon auf der Toilette leicht entfernen und sich entleeren. Analtampons sind zur kurzfristigen Linderung einer Stuhlinkontinenz geeignet. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Darüber hinaus gibt es Slipeinlagen, Inkontinenzeinlagen oder Inkontinenzslips, die in die Unterwäsche eingelegt werden und den Stuhl auffangen. Die Einlagen gibt es in allen Größen und Stärken in Apotheken und im Sanitätsfachhandel. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><b>Mit der Situation umgehen.</b></span> Unangenehme Gerüche lassen sich durch Frischluft und Desinfektionsmittel schnell beseitigen. Die meisten Pflegemaßnahmen bei Stuhlinkontinenz bedeuten jedoch immer auch ein unfreiwilliges Eindringen in die Intimsphäre des Menschen. Wie schwierig und unangenehm dies sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden ist, können Außenstehende oft nur erahnen. Angehörigen und Pflegepersonal wird viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl abverlangt; manchmal fühlen sich Angehörige überfordert und brauchen Übung und Rat, um in belastenden Situationen mit pflegebedürftigen Menschen umgehen zu können. Dazu gehört auch, den Anblick von Stuhl, Erbrochenem oder durchnässten Betttüchern auszuhalten. Und das ist bis zu einem gewissen Grad lernbar. </p><p class="bodytext">Offenheit ist wichtig. Niemanden ist damit geholfen, wenn Gefühle mit Gewalt unterdrückt werden. Auch den Betroffenen nicht. Gelassenheit, Ehrlichkeit und Humor können so manche Situation entspannen. Wenn z. B. das Bett beschmutzt ist, darf man getrost sagen: „Oh, das ist ja eine schöne Bescherung.“ Und mit einem weiteren Satz wie „Ich mache mal schnell das Fenster auf“, lässt sich die Situation besser meistern, als hektisch und verkrampft den Schaden zu beseitigen oder so zu tun, als sei nichts geschehen. </p><p class="bodytext">Es erleichtert den Betroffenen, wenn er so schnell wie möglich aus seiner unangenehmen Lage befreit wird. </p><p class="bodytext">Beim Reinigen sollten Einweghandschuhe und eine Plastikschürze benutzt werden, die es in der Apotheke gibt und die anschließend entsorgt werden können. </p><p class="bodytext">Lässt es anschließend Ihre Zeit zu, tut es gut, für ein paar Minuten (oder länger) einfach etwas Abstand zu bekommen, indem man z. B. eine gut riechende Creme aufträgt und einmal tief an der frischen Luft durchatmet. </p><p class="bodytext">Die meisten Informationsangebote zur Harninkontinenz behandeln auch die Stuhlinkontinenz. </p>